Freitag, 30. Juli 2010

Ich war’s, Teil 2

Bizarr und unerträglich

aus: Grafschafter Nachrichten vom 30.07.2010

Bizarr und unwürdig. Ich war’s, Teil 1 auf den Punkt gebracht.

Montag, 26. Juli 2010

Ich war’s

Im Blick: Wer ist verantwortlich für die Massenpanik während der 21. Loveparade, in deren Folge 20 Menschen starben und etwa 340 Personen verletzt wurden?

…oder für die Explosion einer Bohrplattform im Golf von Mexiko?An jedem Tag danach lief eine Ölmenge in den Atlantik, die einen siebenstöckigen Wohnblock hätte füllen können. Wer ist schuld an der unzureichenden Klimatiserung in Deutschlands Zügen?  Dutzende von Reisenden kollabierten während der extremen Julihitze bei geschätzten 70 Grad Celsius in den Zugabteilen. 

Drei Beispiele aus den letzten Wochen. Wer trägt für solche Unglücke die Verantwortung?

Es ist wie (fast) immer. Niemand kommt und sagt: Hier ich war’s. Ich war zu geldgierig um hochwertiges Dichtmaterial in die Gasrohre von ‘Deepwater Horizon’ einbauen zulassen. Jawoll, ich habe es kommen sehen, dass die Klimaanlagen in unseren Zügen ab 35 Grad Außentemperatur schlapp machen, und wisst Ihr was, mir war’s auch grad wurscht. Seht alle her, ich war derjenige, der es darauf angelegt hat, 1.4 Millionen Menschen in zwei Richtungen durch einen 16 Meter breiten Tunnel laufen zu lassen. Das war mir irgendwie vorher schon klar, dass es schwierig wird, aber ich dachte halt lieber an die Pinunze als an die Sicherheit der Leute.

Nein, so läuft es nie. Potenzielle Verantwortungsträger sind stattdessen schockiert, es wird beschönigt, man selbst kann nichts dafür, es muss natürlich alles ausgiebig untersucht werden und nach ein paar Jahren steht endlich jemand, meistens Personen aus unteren oder mittleren Reihen, vor Gericht. Höchst unbefriedigend. Dabei ergeben sich im Grunde immer dann, wenn veritable Sachschäden und erhebliche Opferzahlen auf ein Verantwortlichkeitsvakuum stoßen, völlig neue Chancen.

“Für wen denn?”, werdet Ihr fragen.

Na, zum Beispiel für Terroristen von beispielweise ‘Al-Kaida’. Herr Bin Laden, wird es ein wenig ruhig um Ihre Terrororganisation? Sie möchten schnell und ohne viel Aufwand zurück in die Schlagzeilen? Kein Problem, Sie haben die Gasleitungen auf ‘Deepwater’ gesprengt, um das imperiale, westliche Wirtschaftssystem auszubluten und dem Kapitalismus einen Denkzettel zu verpassen.  Ihre Organisation hat auch die Klimageräte bei der DB sabotiert, um globalisierungsverfallene, reisende Ungläubige in der Hitze von Scheitans Behausung zu schmoren. Und Sie bekennen sich verantwortlich für die Duisburger Massenpanik, die diesem Sündenpfuhl namens ‘Loveparade’, der aus Vergnügungssucht und weltlicher Verdorbenheit besteht, endlich das zukommen läßt, was er verdient hat.  Sie sind nicht Bin Laden oder gehören nicht einmal einem Terrornetzwerk an? Kein Problem. Auch Bekenntnisse irrer Einzeltäter können weiterhelfen.

Wie wär’s? Nur nicht zögern, denn noch sind die Ereignisse frisch und niemand will’s gewesen sein. Chance verpasst? Nicht traurig werden, es war sicher nicht die letzte Gelegenheit.

Apple arbeitet übrigens Gerüchten zufolge an einem längst überfälligen Multimedia-Interface, dass in Kürze auf den Markt kommen soll und der angesprochenen Interessentenschicht die Möglichkeit eröffnet, zeitnah und von überall, individuelle Bekennerschreiben abzusetzen, so dass keine Gelegenheit mehr verpasst wird. Das Gerät soll ‘iDidit’ heißen und im Herbst zu gewohnt überteuerten Preisen in Nahost zum Verkaufsstart kommen. Angeblich soll es sogar eine ‘App’ geben, die es leichter macht, sich selbst und/oder seiner Terrororganisation auch die Verantwortung für Vulkanausbrüche, Erdbeben und Tsunamis in die Schuhe zu schieben. Zwar kam bei dieseArt von Ereignissen bisher noch niemand auf die Idee, die Frage  nach einem Schuldigen zu formulieren, aber Apple ist schließlich Spezialist darin, Sachen auf den Markt zu bringen, für die bislang kein Bedarf bestand.

Montag, 16. November 2009

Montag, 16. November 2009

Medienkonsum: SWR3-Morning-Show, www.t-online.de, wikipedia.de, Der Spiegel, Trierischer Volksfreund, The Bosshoss „Internashville Urban Hymns“, The Kooks „Already miss you“, die ARD-Tagesschau, “Timeline” (Pro 7), “Wer wird Millionär”, “Bauer sucht Frau” (RTL), The The “Dusk”, Roxy Music “Manifesto”, Stieg Larsson „Verdammnis“ .

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Im Blick: Etwa 40000 Menschen besuchten am Sonntag die Trauerfeier aus Anlass der Selbsttötung von Robert Enke.

Sicht: Seit sechs Tagen beschäftige ich mich viel mit dem Thema Enke und der Reaktion der Gesellschaft auf seine Selbsttötung. Selbsttötung ist eine der Möglichkeiten, die das Leben uns allen anbietet. Jeder von uns hat das Recht und die Freiheit, diesen Schritt zu gehen. Und da jeder nicht nur Individuum sondern zugleich auch Teil einer Gemeinschaft ist, hat Selbsttötung immer einen sozialen bzw. kommunikativen Aspekt. Einen Suizid könnte man aus diesem Winkel als ultimativen Egotrip betrachten: Jemand geht freiwillig und endgültig und lässt dabei Alle zurück, egal wie die das finden. Allerdings wird unerwartet und mit Schockeffekt gegangen, so dass die Anderen wirklich aufhorchen.  Wie steigert man diesen Oha!-Effekt noch zusätzlich? Na, zum Beispiel, indem man in einem bescheidenen Abschiedsbrief betont, dass einem das Ganze im Grunde furchtbar unangenehm ist, und dass man eben gerade nicht möchte, dass sich alle damit beschäftigen. Statt “Fuck you, world, ich hab Euch abgekocht, Spiel aus, 1:0 für mich!” muss man schreiben “Entschuldigt bitte, ich konnte nicht anders, aber ich wollte immer nur Euer Bestes”.

Es ist herauszuhören, dass Enke, wenn überhaupt, dann äußerst selten mit sich und seinem Leben zufrieden war. Er wollte allem Anschein nach ein besserer Mensch sein als er war. Das ist Hardcoreidealismus und eine schwere Form von Aggression mit todsicherer Frustgarantie, für die Enke die volle Verantwortung hatte. Früher oder später tut einem die Hirnchemie nunmal den Gefallen und stellt sich auf das Umgehen mit der Welt so ein, dass es sich wirklich so anfühlt, als hätte man niemals anders gekonnt, als dieselbe Welt düster und grau zu sehen. Und wenn es sich für den Betroffenen wirklich so anfühlt, dann fällt es anderen Menschen, denen er etwas bedeutet, noch schwerer eine unabhängige Haltung zu ihm einzunehmen. Oder anders: Hat ein Trinker erstmal zwei Pullen Fusel intus, torkelt er, lallt oder macht unter sich wie ein Kleinkind, so suggeriert er nach innen wie nach außen völlig glaubhaft, dass er ein haltloser und schwacher Mensch sein muss und gar nicht anders kann als sobald wie möglich weiterzutrinken, wenn nicht jemand kommt, und ihm die Entscheidung bzw. die Flasche abnimmt.

Auf die Wucht der suizidalen Aggressivität und das unerwartete Eintreten des Verlustes reagieren viele Menschen wirklich mit einem Schockzustand. Vielleicht liegt es ja an diesem Schock, dass man Enke tatsächlich unkritisch heroisiert, völlig absurde Sinnhaftigkeiten für sein Tat konstruiert oder in Enke ein Opfer des Leistungssports, seiner Depressionen, des Lebens oder seiner Verluste erkennen möchte. Die gestrige, geradezu monströs dimensionierte Trauerfeier stellt jedenfalls die ultimative Überdosis all dieser Haltungen dar. Herr Enke hat auf eine denkbar gruselige Weise zum Täter-Opfer-Spiel eingeladen und ganz viele sind gekommen um mitzumachen. Es ist auch wirklich schwer, sich dieser Einladung zu entziehen. Ich merke es ja selbst.

Konsequenz: Wie auch immer, ich habe nach dieser irgendwie auch anstrengenden Woche erstmal genug. Ab morgen beschäftige ich mich mit etwas anderem.

Philosopie, Impressum & Co.

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„Ein Blick ins Leben“ ist ein Webtagebuch, in dem der Autor seine persönliche Meinung und Wertung zu und Erfahrungen mit eigenem aktuellen Medienkonsum ausdrücken möchte. Dabei soll das Ziel des Autors darin bestehen, in möglichst kurzer, teilschematisierter Form die Zusammenführung von subjektiv wahrgenommener  Information aus klassischen und sogenannten ‘neuen’ Medien, den “Medien des Tages”, der "Information des Tages", und des eigenen persönlichen Umgang mit dieser Information im Denken und Handeln, der "Blickweise des Tages", zu schaffen.

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Das Folgende machen viele andere auch. So falsch kann es dann wohl nicht sein:

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